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 Keimzelle für Landwirtschaft 4.0

Wie die elektronischen Alleskönner für mehr Präzision auf dem Feld sorgen

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Keimzelle für Landwirtschaft 4.0

Klein, aber sehr vielseitig: Sensoren könnten schon jetzt für mehr Sicherheit, Komfort und Effizienz in der Landwirtschaft sorgen.

Wenn wir ehrlich sind, dann denken wir beim Begriff „Landwirtschaft“ oft an ein kleines Bauernhaus mit Scheune, ein paar Hühner im Hof und ein Dutzend Kühe im Stall, die noch von Hand gemolken werden. Um die immer weiter anwachsende Weltbevölkerung ernähren zu können, war die Landwirtschaft aber in den vergangenen Jahrzehnten quasi gezwungen, sich zu einer hocheffizienten Industrie zu wandeln. Dazu beigetragen hat auch die Digitalisierung. Hier hat die Branche mittlerweile enorm aufgeholt. Denn neben Weizen, Mais und Soja ernten immer mehr Landwirte noch etwas Anderes: Daten. Über die Gesundheit ihrer Ferkel. Über die Milchmenge jeder einzelnen Kuh. Über die Hufgesundheit von Pferden. Über die Bodenbeschaffenheit. Und über den minimalen Düngerverbrauch für die maximale Erntequalität. Die Keimzellen für all diese Informationen: Sensoren.

Mehr Komfort für lange Erntetage

Natürlich sind wir bei Continental keine Tierhaltungsprofis. Aber mit den in den Anwendungen für die Landwirtschaft eingesetzten Sensoren kennen sich unsere Experten sehr gut aus. Mit ihnen können unter anderem die analogen Luftfedern von Fahrwerken, Kabinen und Sitzen landwirtschaftlicher Maschinen „schlau“ gemacht und damit den Komfort für den Fahrer deutlich erhöht werden. Ein Beispiel dafür sind die Luftfedern für die Traktorvorderachse, für die Continental der einzige Anbieter ist.

Keimzelle für Landwirtschaft 4.0

Wenn diese Sensoren dann noch mit weiteren Komponenten, zum Beispiel Ventilen und anderen Aktoren, sowie der passenden Steuerungssoftware zusammenarbeiten, dann sind sie der erste Schritt in Richtung Landwirtschaft 4.0. Ein konkretes Beispiel hierfür ist das Electronic Air Spring Damping-System (eASD), ein elektronisch gesteuertes Federungs- und Dämpfungssystem für Fahrzeugkabinen, das sich automatisch an unebene Bodengegebenheiten anpasst und so in Zukunft den Komfort für all jene, die in der Erntezeit zwölf Stunden und mehr am Steuer einer Erntemaschine verbringen, erhöht.

Klein, aber oho: Sensoren sind schon heute Alleskönner

Allerdings ist das eASD in der Landwirtschaft eher noch Zukunftsmusik. HPTA-Sensoren können im Gegensatz dazu schon heute bei der Lösung von wichtigen Effizienz- und Nachhaltigkeitsfragen der Branche helfen. HPTA steht dabei für die englischen Begriffe „height“, „pressure“, „temperature“ und „acceleration“ – also Höhe, Druck, Temperatur und Beschleunigung. Je nach Anwendung können sie nur einen dieser Werte, eine Kombination aus mehreren oder sogar alle Parameter messen.

Ein konkretes Beispiel dafür? In Sä- und Pflanzmaschinen werden oft Hydraulikelemente eingesetzt, um die einzelnen Saatkörner zu verteilen. Diese Technologie hat aber so einige Nachteile: Zum einen besteht immer die Möglichkeit, dass das Hydrauliköl auslaufen könnte – mit negativen Folgen für Pflanzen, Boden und Umwelt. Zum anderen muss der Landwirt selbst Hand anlegen und die Pflanzhöhe auf ein vorab festgelegtes Niveau einer fünfstufigen Skala einstellen, der dann für alle Pflanzreihen des Seeders gilt. Und schließlich bleibt diese Einstellung anschließend unverändert, egal ob und wie die Bodenbeschaffenheit im Feldverlauf wechselt. Die Folge: Das teure Saatgut wird nicht immer optimal in der richtigen Menge und Pflanzhöhe oder im richtigen Abstand ausgebracht.

Keimzelle für Landwirtschaft 4.0

Weil aber Luftfedern ohne Öl auskommen, sind sie schon heute eine immer gefragtere Alternative für die Hydrauliktechnologie. Und wenn sie mit HPTA-Sensoren versehen sind, können im Anschluss an einen initialen Bodenscan bis zu 56 Pflanzreihen mit nur einem Knopfdruck individuell und hochpräzise kalibriert werden. Zudem können sie sich im weiteren Verlauf automatisch anpassen und unterschiedliche Bodenverhältnisse kompensieren. So kann auch in lockerer Krume genauso tief ausgesät werden wie in festem Boden.

Noch wichtiger wird diese Präzision bei Feldspritzen. Denn egal ob Bewässerung oder Düngung: Wenn sich Flüssigkeit an einer Stelle sammelt, während sie an anderer Stelle fehlt, kann das eine ganze Ernte gefährden. Auch hier können smarte Luftfedern dafür sorgen, dass jede individuelle Gemüsepflanze genau die richtige Menge Wasser bekommt. Neben den verschiedenen Bodenbeschaffenheiten erkennen unsere Sensoren zusätzlich das Fahrzeuggewicht, das sich mit der Zeit durch die Ausbringung der Flüssigkeit aus dem Tank immer weiter verringert. Auch hierfür werden bisher manuell einstellbare Luftfedern genutzt, die durch den Einsatz von HPTA-Sensoren an Präzision gewinnen könnten.

Landwirtschaft 4.0 ist keine Science Fiction

In den letzten zehn Jahren hat sich die Agrartechnologie mithilfe der Digitalisierung stark weiterentwickelt und es ist zu erwarten, dass sich das weiter fortsetzt. Schon heute gehören Flugdrohnen zu den oft eingesetzten Mitteln der Landinspektion, an der Landmaschine angebrachte 360-Grad-Kamerasysteme wie das ProViu 360 von Continental geben den Landwirten einen guten Überblick über die Umgebung und moderne Erntemaschinen werden mithilfe von Predictive Maintenance überwacht und einsatzbereit gehalten. Daher wird die Integrierte Sensortechnologie auch weiterhin die Entwicklung bestimmen und Automation, Sicherheit, Nachhaltigkeit und Effizienz in landwirtschaftlichen Betrieben weiter steigern. Viele Aufgaben werden Landwirte dann nicht mehr selbst und von Hand erledigen, sondern sie überwachen die Maschinen von ihren Büros aus. Das nötige Fingerspitzengefühl haben ja die Sensoren.

Übrigens profitieren seit kurzem auch Pferde von der Digitalisierung made in Hannover. Denn ganz in der 150-jährigen Tradition von Continental – das erste Produkt war ein Hufpuffer aus Gummi – präsentieren wir nun erstmals einen einzigartigen Hufschuh. Dieser wird über den Pferdehuf gezogen und ein integrierter Sensor gibt Hinweise auf unregelmäßig verteilte Drücke auf die Sohle. So können Hufschmiede frühzeitig eingreifen, bevor es zu gesundheitlichen Problemen kommt und, im weiteren Verlauf, aufwendige und teure Tierarztbehandlungen nötig werden. Zudem erleichtern die Daten des Hufschuhsensors die Diagnosestellung und damit die optimale Therapieausrichtung. Vielleicht werden wir ja doch noch Tierhaltungsprofis.